DSG-Schlafwagen der Epoche IIIa/b/IVa im Modell

Die Modellbahnindustrie hat sehr früh den das luxuriöse Reisen darstellenden Schlafwagen als attraktives Verkaufsobjekt erkannt. Dennoch erstaunt es, dass die Nachbildung stets grob und wenig am Vorbild orientiert erfolgte - es passt aber tendenziell zur Qualität der Nachbildung von Sitzwagen.

Bis 1975 gab es gerade ein einziges hinnehmbares Modell eines DSG-Schlafwagens der Baugröße H0, dies war der verkürzte, aber im Maßstab 1:82 gehaltene WLAB4ümg-54-Kunststoffwagen der Gebr. Fleischmann, Nürnberg. Alle anderen Hersteller hatten Wagen im Angebot, die in der Hauptsache "rot" waren.

Das nächste, bessere Modell war dann schon der RÖWA-WLABüm-175 des Bautyps 1967 für die Modellbahner der Epoche IV.

Das war es dann aber auch - von maßstäblichen Modellen keine Spur.

ROCO lieferte in der "Hechtwagen"-Serie (DRG-Bauart 1921) einen Schlafwagen, der eine bewegte Geschichte hatte. Er war aufgrund seines mangelnden Komforts bereits bei der DRG zum Liegewagen degradiert worden, kam nach dem 2. Weltkrieg aber wieder zu den Ehren eines Schlafwagens der 3. Klasse, ab 1956 der 2. Klasse. 1960 war er dann am Ende seiner langen Laufbahn - nicht der längsten eines Schlafwagens...

Auch Fleischmann begann in den 80ern, UIC-X-Wagen im Längenmaßstab 1/100 anzubieten, hier erschien dann erneut ein WLABmh175, allerdings nur in der DB-Ep.-IV-Beschriftung. Erst Ende der 90er erschien eine Sonderserie in Rot und DSG-Beschriftung, in 2003 gar eine Serie in POP-Lackierung - der WLABmh war nicht dabei.

Der Wunsch vieler Modellbahner richtete sich auf wirklich maßstäblich lange Wagen. Hersteller wie Rivarossi(1/85!) und Liliput(Wien) boten ab 1970 30,3cm-lange Wagen an. Es reichte jedoch der Mut nicht zur Entwicklung eines Schlafwagens.

Das Glück winkte dem Modellbahner im Kompromiss. 1976 erschien von Liliput(Wien) im Rahmen der maßstäblichen Schürzenwagen-Serie (Bauart 1939) ein WLABüe in zeitgenössischer Ausführung. Dumm nur, dass der Wagen als WLAs4ü genummert war, aber erkennbar an der Fenstergestaltung beider Seiten und der Inneneinrichtung mit normaler Abteilanordnung kein solcher war. Dieser falsche DSG- und der vorbildlose rote USTC-Wagen sind auch heute wieder in technisch leicht überarbeiteter, weiterhin aber falscher Form bei Liliput/Bachman erhältlich. Die Bauart 1928 bzw. 1931 wird in einer Doppelpackung mit 2 identischen Wagen geliefert und basiert auf der Konstruktion der 28er-Wagen aus 1970.

Willy Ade startete 1974 seine Produktion "kompromißloser" Modellbahnwagen. Bis zum Schlafwagen hat es bis 1994 nicht mehr gereicht - vielleicht haben wir ja nach dem Neustart eine Chance?

Auch ROCO besann sich auf die kaufkräftigeren Modellbahner und produzierte zusätzlich zum 1/100-Programm aus dem RÖWA-Erbe maßstäblich lange Wagen. In der "Hecht"-Wagen-Serie erschien der WLC4üe-21 in verscheidenen Beschriftungen. Ein WLABm-175 aus der 1972/73er-Serie in DB-Beschriftung beglückte die Ep.-IVb-Fahrer, für die "älteren" produzierte man ein cremefarbenes Dach mit abgerundeten Ende, verpasste dem Ganzen eine DSG-Ep.-III-Beschriftung und glaubte so einen WLAB4ümg-59 anzubieten. Durch eine Umfärbung des Daches kann man wenigstens einen WLABüm-67 annehmen. Aus der E30-Eilzugwagen-Reihe erschien in zeitweiliger Zusammenarbeit mit Sachsenmodelle ein Doppelpack Behelfsschlafwagen, wie sie bis 1951 im Einsatz waren. Die Vorbilder waren gut gewählt und brauchbar nachgebildet, die Detaillierungskünste beider Hersteller waren aber recht unterschiedlichen und fielen bei diesem Paar doch deutlich auf. Der weniger detaillierte Sachsenmodelle-Wagen enthielt eine vorbildgerecht geänderte Inneneinrichtung, der äusserlich besser detaillierte ROCO-Wagen behielt die Sitzwagen-Einrichtung. Die ROCO-Modelle sind momentan (Stand 2003) alle nicht erhältlich. Eine Sonderpackung enthielt die beiden Bauformen des WLABm-175 in Ep.-IV-Beschriftung mit dem damals neuen DSG-Kleeblatt und einem TEN-Wagen, alle in rot.

Fleischmann erfreute 1996 die Modellbahner mit einem sehr gelungenen WLAü-35 in Ep. IIIa-Ausführung, die man auch (ohne Lupenbenutzung) noch in Ep. IIIb einsetzen könnte - leider in einem deutlich zu hellen rot und etwas zu "hochbeinig". 2002 gesellte sich dann - mit gleichen kleinen Mängeln - der sehr schöne, aber leider im Aufbauzustand von 1906 nachgebildete Preusse in der bis 1960 möglichen, aber farblich falsch gewählten DSG-Beschriftung dazu. Neben den Liliput-Bachmann-Modellen sind dies die beiden einzigen erhältlichen maßstäblichen Schlafwagenmodelle - und auch nur bis 1968 bzw. 1960 einsetzbar. Bis zum Beginn der blauen Periode der DB im TEN-Verkehr gibt es keine Modelle am Markt.

Ende 2006 erschien von RailTop in beispielhaft guter Ausführung der DSG-Einbettabteil-"Spezial"-Schlafwagen WLAs4üg-20 ("Zickzack-Wagen" des Baujahres 1950 in den späten, modernisierten Varianten ab 1965.

Völlig fehlen (in chronologischer Reihenfolge):

Fazit: Im Gegensatz zu der Meinung einer führenden Modellbahnzeitschrift im Jahr 2003 hat sich eigentlich seit 1960 nur die Länge der Modelle und ihre Detaillierung geändert. Die Auswahl ist momentan fast unverändert gering.

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