DSG-Speisewagen der Epoche IIIa/b im Modell

Die Modellbahnindustrie hat sehr früh den das luxuriöse Reisen darstellenden Speisewagen als attraktives Verkaufsobjekt erkannt. Dennoch erstaunt es, dass die Nachbildung stets grob und wenig am Vorbild orientiert erfolgte - es passt aber tendenziell zur Qualität der Nachbildung von Sitzwagen.

Bis 1965 gab es gerade ein einziges hinnehmbares Modell eines DSG-Speisewagens der Baugröße H0, dies war der geringfügig verkürzte, aber im Maßstab 1:82 gehaltene WR4üg39/51-Kunststoffwagen der Gebr. Fleischmann, Nürnberg. Alle anderen Hersteller hatten Wagen im Angebot, die in der Hauptsache "rot" waren. RUCO in der Schweiz hatte erhebliche Probleme, einen Vertriebskanal für seinen 62er Rheingold (verkürzt, Maßstab 1/82) zu finden, sodass diese Modelle (mit eingesetzten Fenstern und Inneneinrichtung, vertrieben durch Hornby-Acho) auf dem deutschen Markt nie richtig Fuss fassten.

Mit dem Erscheinen der neuen Bauart 1964 in den TEE , F- und D-Zügen erwachte dann auch das Interesse der Modellbahnhersteller an der Nachbildung eines real existierenden Speisewagens. Märklin machte den Anfang mit einem auf 24,5cm verkürzten, rot-beigen Modell aus Pressblech passend zu den zuvor erschienenen Rheingold-Ausichtswagen, dem der rot-blaue "Kakadu" AR4ümh kurz darauf folgte. Eine IC-Version dieses Wagens in TEE-Farben erschien interessanterweise vorerst nicht.

TRIX liefert ab 1969 ein aus der ADE-Fertigung stammendes, 27,5cm langes Modell in bisher nicht gekannter Detaillierung in rot und auch in TEE-Farben und DSG-Beschriftung.

Das war es dann aber auch.

Nach der Trennung Willy Ades von TRIX wurden diese Modell bei RÖWA angeboten und durch den WRmzh135 mit elektrischer Dachausrüstung und TEE-Beschriftung ergänzt. Der WRmh132 war dann weiterhin in roter und beige-roter DSG-Beschriftung erhältlich. Nach dem Röwa-Konkurs erschienen diese Modelle dann leicht überarbeitet bei ROCO. Im Rahmen der Versuche von Märklin, längere Schnellzugwagen zu produzieren, erschien dann wiederum der WRmh132/WRmz135, blieb aber aufgrund unglücklicher Proportionen ein Einsatzprivileg der Anhänger des PuKo-Systems.

Auch Fleischmann begann in den 80ern, UIC-X-Wagen im Längenmaßstab 1/100 anzubieten, auch hier erschien dann erneut ein WRmh132 in rot und rot-beige, allerdings nur in der DB-Ep.-IV-Beschriftung. Erst Ende der 90er erschien eine Sonderserie in Rot und DSG-Beschriftung.

Der Wunsch vieler Modellbahner richtete sich auf wirklich maßstäblich lange Wagen. Hersteller wie Rivarossi(1/85!) und Liliput(Wien) boten ab 1970 30,3cm-lange Wagen an. Es reichte jedoch der Mut nicht zur Entwicklung eines noch längeren Speisewagens, und so löste man das Bewirtschaftungsproblem der Modellzüge, indem man Halbspeisewagen mit 2.Kl.-Teil anbot. Rivarossi lieferte den BRbu4ümg-60 in rot-grün, Liliput den gleichen Wagen in 1961-Ausführung in grün mit "Buffet"-Schild. Welche Abwechslung war nun möglich...

Das Glück winkte dem Modellbahner im Kompromiss. 1976 erschien von Liliput(Wien) im Rahmen der maßstäblichen Schürzenwagen-Serie (Bauart 1939) der WRümg152 in zeitgenössischer Ausführung, ein Beschriftungssatz von Gassner, Taufkirchen, ermöglichte auch den Einsatz für die DSG in Epoche III. Dumm nur, dass der Wagen im Modell zwar die nachgerüsteten Klima-Anlagen und Minden-Deutz-Drehgestelle, aber Faltenbälge statt Gummiwulste hatte. Trotzdem konnte man nun den uralten Fleischmann-Wagen einmotten - und weiter warten. Zudem beschriftete Liliput seinen E30-Bye zum Wagen mit "Speiseraum" um - ein solches Vorbild gab es auch, aber es hatte Tische und nicht nur Bänke im Inneraum. Als als Folge der "Rheingold"-Produktion erschien ein Modell des WR4üe28, dem auch noch die Ep.III-DSG-Variante in allzu sparsamer Beschriftung folgte. Auch hier wählte Liliput ein eher unglückliches Vorbild. Das Modell wurde wegen der einfacheren Oberflächengestaltung der Bauserie 1930 nachempfunden, die bereits geschweisst war und weder senkrechte Deckleisten noch Niete noch irgendeine Struktur des Rahmens aufwies. Leider wählte man bei der Beschriftung ausschliesslich Wagennumern der vorhergehenden Bauserien. Letztere 3 Wagentypen sind auch heute wieder in überarbeiteter Form mit den alten Fehlern bei Liliput/Bachman erhältlich. In der Zugpackung "Blauer Enzian Gegenzug" ist der auf dem Rheingold-1928-SB4ük basierende DSG 1230 enthalten. Typisch in diesem Zug war übrigens der auffällige "Mussolini-Wagen" WR6üe-40/51 DSG Nr. 1227.

Willy Ade startete 1974 seine Produktion "kompromißloser" Modellbahnwagen (zunächst mit recht kompromißbehafteten Modellen wie dem ABüm) und irgendwann wurde dann ein fast nirgendwo erhältlicher und dauernd ausverkaufter WRümh132 und WRümz135 in einigen Varianten angeboten. Dieses Modell ist auch heute noch eine sehr gesuchte Rarität. Seit dem 15. Oktober 2003 sollen ADE-Modelle wieder lieferbar sein. Als erstes Modell erscheint die Erstauflage (!) des ARüm216 in blauer und in rot/blauer Auführung der Ep. IV.

Auch ROCO besann sich auf die kaufkräftigeren Modellbahner und produzierte zusätzlich zum 1/100-Programm aus dem RÖWA-Erbe maßstäblich lange Wagen. Interessant für den deutschen Markt war zunächst der BRymg51 aus der Leichtstahlwagen-Städteschnellzug-Serie, der auch in einer Sonderserie als CR4ymg51 (beide grün mit "Speiseraum") erhältlich war. Leider wurde der BR mit erst in den 80ern üblichen Nabenlichtmaschine und der CR ohne jede Lichtmaschine ausgeliefert (Roco: "Die Fahrzeuge hatten Keilriemenlichtmaschinen am Drehgestellrahmen"). Aus der E30-Reihe erschien der ex-WD-Behelfswagen CR4ye bzw. BR4ye (grün, "Speiseraum" und UIC/rot-grün) in einer guten Gestaltung.

Man verwöhnte das österreichische Inland und das ausserdeutsche Ausland mit Speisewagen. Für den deutschen Markt reichte es gerade mal zum kurz verfügbaren Kakadu ARmh217/ARmz211 in (bis auf den korrekten ARmz211 in IC-Farben) höchst fragwürdigen Ausführungen. Es gipfelte in der nachgeschobenen Behauptung, dass bereits 1966 die neuen Wagen eine "Computerbeschriftung" gehabt hätten. Richtig ist lediglich, dass aufgrund der getroffenen UIC-Vereinbarungen der Anschriftenspiegel bei Neubauten ab 1965 auf den besser lesbaren Fahrzeugrahmen und ab 1966 die Wagennumer in die Wagenmitte unter das DB-Zeichen verlegt wurde - eine Tatsache, der TRIX 1968 mit seinen Modellen voll gerecht wurde, bevor auch dort die Produktion auf die "Computerbeschriftung" umgestellt wurde.

LIMA(I) begann auf Initiative des damaligen Importeus Lemke mit der Fertigung einer Serie von maßstäblichen Wagen parallel zu den 1:100 verkürzten Modellen. Zunächst wurde der komplette "Rheingold" der Ausführung 1963 sowie Umlackierungen dieser Wagen angeboten. Mitte der 90er stellte man das Fertigungsverfahren um und produzierte Fahrzeuge aus einem durchsichtigen Material und lackierte mit bemerkenswerter Präzision den Wagenkörper in allen denkbaren Varianten. Statt des "Rheingold" erschien nun die "Rheinpfeil"-Einheit mit ihrem charakteristischen, vom "Rheingold" abweichenden Aussichtswagen. Ergänzt wurde der TEE dann noch durch WRümgh64 in Rot und und in TEE-Farben sowie durch den Barwagen ARDümh65. Im Rahmen der Liegewagen-Serie erschienen dann in einer Sonderserie die Bcümk53/61 und WRtüm51/64, dieser allerdings nicht in Ep.III-Ausführung und falscheer Inneneinrichtung. Der TEE-WRümh und der Barwagen ist heute noch über Lemke im Rahmen des Coca-Cola-Programmes verfügbar, die anderen LIMA-Modellen sollen in nächster Zeit (möglicherweise unter dem Label RIVAROSSI) wieder lieferbar sein - soweit Händler sich überhaupt nochmals bereit finden, LIMA/RIVAROSSI/ARNOLD/JOUEF anzubieten.

Fleischmann erfreute 1996 die Modellbahner mit einem sehr gelungenen WR4üge151 in 2 unterschiedlichen Ep. IIIa-Ausführungen, die man auch (ohne Lupenbenutzung) noch in Ep. IIIb einsetzen könnte - allerdings nur in der am Ende der Ep. III seltenen, nicht modernisierten Ausführung mit Faltenbalg.

Heris lieferte 2001/2002 den Doppelstock-Versuchzug der Bauart 1950 mit dem dazu gehörenden Speisewagen DCR4üpwe50 aus.

Liliput(Bachmann) liefert ab Dezember 2003 den F-Zug-Umbau ABR4üe-29/52 auf Basis des bekannten ABC4üe-28.

Roco liefert seit 2007 den WRmh131 in der Rheingold-1962-Ausführung, denWR4ü-28 der zweiten Bauserie in zeitgemäßer, aber nicht mängelfreier Ausführung und seit 2008 den WRümh132 und WRmh135 ebenfalls in zeitgemäßer, maßstäblich langer Ausführung mit leider ebenfalls unnötigen Mängeln.

Trix und Lemke liefern den Doppelstockwagen mit Speiseabteil aus der 1950er 26,4m-Versuchserie in unterschiedlich gelungenen Ausführungen ab 2009.

Damit sind wir nunmehr doch ganz gut bedient. Hoffen wir auf BRbuüm und WRtüm, einen Rheingold-1928-Speisewagen in der DSG-Ausführung mit geänderter Bestuhlung, vielleicht ein bezahlbares fFrtigmodell des AR4ümg und der Versuchs- und Serien-QuickPick-Wagen...

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